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Mikroben

Vektoren der Veränderung

Seit der Entdeckung des Penicillins durch Alexander Flemming hat sich im letzten Jahrhundert ein Denken etabliert, das durch eine Stoßrichtung gekennzeichnet ist: Das Ausmerzen der Mikroben. Das bis in die Gegenwart wirkende Denkmodell der etablierten Wissenschaft postuliert auf einseitige Art und Weise, dass Mikroorganismen die Ursache von Infektionskrankheiten seien. Sie negieren bis in die heutige Zeit, dass die Anwesenheit von Mikroben allein nicht ausreicht, um derartige Prozesse zu steuern und strukturieren. Die Frage, ob das Milieu - also der Wirt - oder die Mikrobe für eine Infektion ursächlich sei, wird überwiegend zulasten der Mikrobe beurteilt. Wir vergessen mithin, dass jede Lebensform auf der Erde Bestandteil eines umfassenden Netzwerkes ist, wo es Kategorien wie wichtig und unbedeutend, dominierend und unterlegen, schädlich und nützlich nicht gibt.

Diese Einteilung findet sich in der Natur nicht wieder;
sie ist das Ergebnis menschlichen Denkens.

Mikroben gehören zu den ältesten Lebensformen auf der Erde, aus denen sich letztlich alle höher entwickelten Lebewesen entwickelt haben. Der Säuger - so auch der Mensch - kann als Wesen begriffen werden, dass aus komplex organisierten Einzellern besteht. Die Einzeller haben ihre Individualität zu Gunsten einer höheren Lebensform aufgegeben und besitzen auch jeweils eine spezifische Bedeutung. Darüber hinaus beherbergt der Mensch mehr Bakterien, als er Zellen besitzt. Diese leben vorwiegend in unserem Darmsystem. Sie sind unsere lebenswichtigen "Untermieter", die uns im Grunde am Leben erhalten, da sie unsere Nahrung verdauen, Enzyme produzieren, Vitamine herstellen und vieles andere mehr.

Ob ein Mikroorganismus krankmachend ist oder nicht, wird in erster Linie durch den Wirt bestimmt und nicht von den Mikroben, da letztere auf jene Bedingungen reagieren, die sie im Wirt vorfinden.

In einer ursprünglich symbiontischen Lebensgemeinschaft hat der Wirt einen Nutzen von seinen Mikroben und die Mikroben ziehen ihrerseits einen Nutzen durch die Beherbergung durch einen Wirt. Fällt aber der Wirt als Symbiosepartner aus, bleibt den Mikroben kaum etwas anderes übrig, als ein anderes Stoffwechselprogramm zu fahren, um das eigene Überleben zu sichern. Die dabei anfallenden Stoffwechselprodukte sind dem Wirtsorganismus allerdings fremd und dadurch in der Regel pathogen (krankmachend).
Durch das hartnäckige Ignorieren von Zusammenhängen und sein isoliertes Denken und Handeln hat der Mensch Generationen von Mikroben herangezüchtet, gegen die er nun nahezu machtlos geworden ist, da diese sich durch eine besondere Resistenzbildung und Stabilität auszeichnen. Die bevorstehende Kapitulation vor mutierten Mikroorganismen und das Auftreten von Schweinepest und Rinderwahnsinn - um nur die populärsten Erscheinungsformen zu nennen, machen uns allmählich deutlich, das wir nach und nach die Quittungen für unser isoliertes und unvernetztes Handeln ernten. Nun zeigen sich die Folgen des ungebremsten und zum Teil rücksichtslosen Einsatzes von Antibiotika und Desinfektionsmittel nicht nur in der Therapie, sondern auch besonders in der Tiermast.

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