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Erwachsenwerden

Ein Erwachsener ist jemand, der sich erwachsen verhält. Das bedeutet, sich angemessen, umsichtig, rücksichtsvoll, respektvoll gegen sich selbst und gegen Andere zu benehmen. Erwachsenwerden setzt einen Reifeprozess voraus, der nicht nur die geistig-intellektuelle, sondern besonders die emotionelle Reife betrifft. Diese Reife ist die Grundvoraussetzung für das Fernbleiben von krankhafter Angst und Furcht und den sich daraus zwangsläufig ergebenden kompensatorischen Folgen.
Was geschieht, wenn Eltern nicht oder kaum in der Lage sind, Bedingungen für ihre Kinder zu schaffen, die diese Reife ermöglichen? Dann werden diese Menschen nicht erwachsen und bleiben letztlich abhängig. Sie werden zwar alt, aber nicht reif. Das Führen eines weitestgehend selbständigen Lebens wird dann im Prinzip unmöglich, da Selbstlähmung und Larmoyanz an die Stelle von Kreativität und Ideenreichtum treten. Eigener Mut kann durch fehlendes Selbstvertrauen nicht entstehen.

Diese Problematik verschärft sich über die Generationen, da zur Fortpflanzung kein besonderes Talent notwendig ist. Es bedarf keiner Prophetie, um sich vorzustellen, wie sich die Kinder von Eltern entwickeln, die ihrerseits nicht erwachsen geworden sind. Dies ist zwar täglich und überall zu beobachten, aber es scheint kaum jemand Interesse daran zu haben, diesen Umstand zu ändern. Stattdessen wird der Zustrom an Wasser in das defekte Fass erhöht, anstatt die Leckage zu beheben.


Was zeichnet einen nicht erwachsen gewordenen Menschen aus?
- Er besitzt kein eigenständiges, singuläres Profil
- Er denkt nicht selbständig, sondern übernimmt (ungeprüft) die Gedanken Anderer
- Er ist nicht authentisch, sondern spielt Rollen für Andere
- Er ist abhängig von der Bestätigung durch Andere
- Er tut (fast) alles, um geliebt und angenommen zu werden
- Er akzeptiert sich nicht selbst, sondern macht seine Selbstakzeptanz von der Akzeptanz durch seiner Horde (Gruppe) abhängig
- Er definiert sich durch das, was er hat und nicht dadurch, was er ist
- Er treibt nicht an, sondern wird getrieben
- Er will unterhalten und nicht gefordert und angeregt werden
- Er ist passiv und meidet bewusst sinnvolle Aktivität
- Er bleibt liegen, wenn er fällt
- Er steht nicht auf, sondern will getragen werden
- Er kümmert sich nicht um sich selbst, sondern läßt sich versorgen (alimentieren)
- Er nimmt mehr auf, als er gibt
- Er wartet darauf, das man ihn abholt, anstatt sich selbst auf den Weg zu machen
- Er sucht keine Wege, um etwas zu tun, sondern findet Gründe, es zu unterlassen
- Er macht für seinen Zustand andere verantwortlich, nur nicht sich selbst
- Er fordert seine Rechte ein, missachtet und ignoriert aber seine Pflichten (die ihm auch keiner vermittelt)
- Er ist ein Verfechter der "Innen - Paranoia" und fühlt sich auch dann diskriminiert, wenn zu einem Begriff kein weiblicher Genus existiert
- Er ist prädestiniert für jede Form von Sucht, da er nicht findet, was er sucht
- Er kompensiert fehlenden Inhalt durch "Ausstattung"
- Er kompensiert seinen empfundenen Minderwert durch Ausrichtung an Prestige
- Er orientiert sich an Stars und nicht an Helden
- Er ist der perfekte Konsument, weil er Dinge kauft, die er nicht braucht
- Er ist das Subjekt moderner Sklaverei, da er nicht kaufen kann, was er braucht
- Er überlebt sein Zeit, anstatt sie zu erleben
- Er wird sehr wahrscheinlich krank und/oder kriminell
- Er führt Krieg gegen sich und Andere

Menschen, auf die diese Charakterisierung in mehr oder minder starkem Umfang zutrifft, begegnen uns zuhauf. Wo aber sind die Erwachsenen, die reife und lebenstüchtige Kinder freisetzen und damit unser Gemeinwesen lebensfähig erhalten und gestalten?
Und schließlich: Wem nützen diese vielen unreifen Menschen, denn mit diesen ist kein Staat zu machen?

Apropos Staat: Wer glaubt, der (Vater) Staat wird durch erwachsene Menschen geführt, der überprüfe die Staats- und Wirtschaftslenker an den oben genannten Kriterien in der Vergangenheit und der Gegenwart. Wenn man ihre Herkunft kennt, wird man etwas über ihre Zukunft aussagen können.